Die aktuelle Diskussion über den Abschuss von Nilgänsen in Stuttgart zeigt vor allem eines: Die Stadtspitze ist bereit, zu drastischen Maßnahmen zu greifen, ohne deren Wirksamkeit belastbar belegen zu können.
Oberbürgermeister Frank Nopper erklärt, man komme an der Tötung nicht mehr vorbei. „Diese Darstellung einer angeblichen Alternativlosigkeit hält einer fachlichen Prüfung nicht stand. Die Stadt hat bislang nicht alle milderen Mittel ausgeschöpft und kommt jetzt mit dem Holzhammer. Das ist aus tierschutzrechtlicher Perspektive ein Skandal“, sagt Dennis Landgraf (Tierschutzpartei)
„Die Wirksamkeit von Abschüssen im urbanen Raum ist wissenschaftlich umstritten. Zwar können Eingriffe lokal und kurzfristig Effekte zeigen, etwa durch Verdrängung einzelner Tiere. Gleichzeitig ist jedoch gut belegt, dass solche Maßnahmen häufig lediglich zu einer Verlagerung des Problems führen: Bestände stabilisieren sich durch Zuwanderung oder Rückkehr, ohne dass sich die Gesamtsituation nachhaltig verbessert“, so Dennis Landgraf weiter. „Und dass die Stadt da jetzt 20 000 Euro für die Jagd auf Nilgänse ausgibt, ist ebenfalls ein Skandal“, sagt Dennis Landgraf.
„Gerade in dicht besiedelten Städten fehlt ein belastbarer Nachweis dafür, dass Abschüsse die Population dauerhaft reduzieren oder Konflikte langfristig lösen. Wer dennoch den Abschuss als zentrale Maßnahme darstellt, betreibt keine evidenzbasierte Politik, sondern setzt auf einfache Antworten für komplexe Probleme – dieses Muster sehen wir bei Oberbürgermeister Nopper in letzter Zeit vermehrt“, betont Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch (SÖS).
„Hinzu kommt ein gravierender Widerspruch: Die Stadt Stuttgart hat selbst ein auf drei Jahre angelegtes Wildgänsemanagement gestartet, um genau diese Fragen systematisch zu klären. Bereits jetzt zum Abschuss zu greifen, bevor Ergebnisse vorliegen, entwertet dieses Verfahren vollständig“, so Rockenbauch weiter.
„Noch problematischer ist die rechtliche Lage. Das Tierschutzgesetz schreibt klar vor, dass die Tötung von Tieren nur als letztes Mittel zulässig ist. Dafür muss nachgewiesen werden, dass andere Maßnahmen ausgeschöpft und erfolglos waren. Ein solcher Nachweis liegt in Stuttgart nicht vor. Und wir erwarten von der Verwaltungsspitze, dass sie hier umgehend für Klarheit sorgt“, so Dennis Landgraf.
„Wir fordern die Ausschöpfung von Alternativkonzepten wie Eiertausch, konsequentem Fütterungsverbot, Vergrämung, Sterilisation und wirksamen Habitatsmanagement für die Nilgänse in Stuttgart“, so Landgraf abschließend.




