„Spätestens jetzt ist sonnenklar, dass Stuttgart 21 ein Jokerbahnhöfle in ferner Zukunft ist. Wie viele Gleise dann im Jahr 2031 oder noch viel später dann in Betrieb gehen können, bleibt abzuwarten“, kommentiert Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch (SÖS) die jetzt bekannt gewordene Verschiebung der Inbetriebnahme von Stuttgart 21. „Der geplante Tiefbahnhof kann nur die Funktion eines Jokerbahnhofs haben, weil vollkommen unklar ist, ob er jemals fertig wird. Und wenn er das sein sollte, wird er niemals die Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofs haben wird. Deshalb ist und bleibt der Kopfbahnhof das Herzstück des Stuttgarter Bahnverkehrs“, so Rockenbauch weiter.
Investitionen in den Kopfbahnhof notwendig – Rosensteinprojekt einstellen
„Jetzt muss in den bestehenden Kopfbahnhof investiert werden, denn der heutige Zustand mit Fernwanderwegen und Provisorien ist nicht für weitere fünf oder mehr Jahre zumutbar“, betont Rockenbauch.
„Angesichts dieser massiven Verschiebung müssen jetzt auch die Planungen für das Fantasieprojekt Stuttgart-Rosenstein eingestellt werden. Wir brauchen die Planungskapazitäten für die Innenentwicklung und die Schaffung von dauerhaft bezahlbarem Mietwohnraum“, sagt Fraktionssprecherin Johanna Tiarks (Die Linke).
„Für die Jahre 2026 und 2027 allein plant die Stadt für die Rosensteinentwicklung 21,5 Mio. Euro zu verschwenden, ohne dass dadurch die Aussicht auf bezahlbaren Mietwohnraum entstehen würde. Diese Kapazitäten müssen dringend darauf konzentriert werden, wo leistbarer Wohnraum entstehen kann“, so Tiarks weiter. „Zudem brauchen wir Investitionen in Klimaanpassung und echte Verkehrswende anstelle von Rosenstein-Planspielen“, sagt Hannes Rockennbauch.
Baumängel, Missmanagement und Kostenexplosion
„Die Begründung für die Verschiebung ist ein Offenbarungseid und zeigt, dass die Projektverantwortlichen noch nicht einmal in der Lage sind, die passenden Kabelschächte zu planen und zu bauen. Tausende Kilometer falsche Kabel zu verlegen ist ein eindrücklicher Nachweis für eine kolossale Inkompetenz“, kritisiert Hannes Rockenbauch. „Wer solche gravierenden Baumängel bei einfachsten Bauteilen produziert, dem glaubt niemand mehr, dass er auch komplexere Konstruktionen fehlerfrei bauen kann. Stuttgart 21 ist auch bautechnisch krachend gescheitert“, so Tiarks weiter.
„Angesichts dieser Baumängel und der langen Bauzeitverlängerung muss man davon ausgehen, dass das Projekt um mehrere Milliarden Euro teurer wird. Stuttgart 21 ist und bleibt ein Fass ohne Boden und ein groß angelegter Raubzug durch die öffentlichen Kassen“, so Rockenbauch abschließend.
Politische Konsequenzen – auch OB Nopper ist verantwortlich
„Das Projekt Stuttgart 21 hat uns durch seine Baustellenbelastungen viele Jahre lang gequält – dafür tragen die Projektverantwortlichen und die Stuttgart-21-Fanatiker die Verantwortung. Diese andauernde Sabotage am Bahnverkehr und die zu erwartenden weiteren Streckensperrungen mit allen Zumutungen für Bahnreisende werden in den nächsten fünf Jahren weiterlaufen. Wer übernimmt eigentlich die politische Verantwortung dafür?“, sagt Hannes Rockenbauch.
„Der Oberbürgermeister Frank Nopper sorgt sich öffentlich darum, dass durch die Endlosbaustelle Stuttgart 21 das Image der Stadt beschädigt werden könnte. Dabei gehört er zu denjenigen, die das Projekt immer unterstützt haben. Somit ist auch er einer derjenigen, die für diese Zumutungen die politische Verantwortung tragen. Es ist jetzt an der Zeit, dass auch die Befürworter eingestehen, dass Stuttgart 21 eine kolossale Fehlentscheidung war. Und dass die Befürworter anerkennen, dass die Stuttgart-21-Kritiker*innen recht hatten und haben und damit der Kopfbahnhof das Herz des zukünftigen Bahnknotens Stuttgart bleibt.“, so Johanna Tiarks abschließend.



