Nilgänse gehören längst zum Stadtbild vieler Parks und Gewässer in Stuttgart. Während sich viele Menschen an den Tieren erfreuen, klagen andere über Verschmutzungen.
Die Stadt prüft im Rahmen eines dreijährigen Wildgänsemanagements verschiedene Maßnahmen – auch, ob künftig Abschüsse erlaubt werden sollen. Fachleute sind sich einig, dass deren Wirkung kaum über kurzfristige lokale Effekte hinausgeht. Nach dem Tierschutzgesetz darf das Töten ohnehin nur das allerletzte Mittel sein.
Wirksame Alternativen gibt es längst: Fütterungsverbote, Eiertausch, Vergrämung durch Hütehunde und Drohnen, Veränderungen an Grünflächen und Ufer. Vieles davon wird in anderen Städten erfolgreich erprobt – und ist deutlich kostengünstiger als der Einsatz von Waffen.
Umso skandalöser ist, wie die Stadtverwaltung mit dem Thema umgeht: Seit Januar liegen mehrere Anträge unserer Fraktion vor, der zuständige Ausschuss wird jedoch wiederholt abgesagt, das Thema auf keine Tagesordnung gesetzt. Welche Konsequenzen dieses Wegducken hat, zeigte sich Ende Mai auf bedrückende Weise. Eine Nilgans-Familie hatte sich in die Altstadt verirrt. Passant*innen riefen in guter Absicht den Tiernotdienst, in der Hoffnung, die Elterntiere und ihre drei Küken würden in einen Park gebracht. Stattdessen wurden alle fünf Tiere getötet – ohne Not, ohne Debatte, ohne Verhältnismäßigkeit.
Als Fraktion fordern wir, dass Stuttgart den Tierschutz endlich ernst nimmt: mit einer transparenten, fachlich fundierten Strategie für Wildtiere im urbanen Raum – und ohne dass weitere Tiere für politisches Schweigen sterben müssen.



