Vergrämungsmöglichkeiten für Nilgänse

Wir beantragen, die Verwaltungsspitze möge folgende möglichen Vergrämungsmöglichkeiten für Nilgänse ausführlich prüfen und im zuständigen Ausschuss für Klima und Umwelt zu folgenden Fragen berichten:

  1. wird das Tierschutzgesetz bei den bisher geplanten Maßnahmen uneingeschränkt eingehalten?
  2. Oberbürgermeister Frank Nopper sagt, die Nilgänse „verursachen Schäden und Verunreinigungen“. Welche nennenswerten Schäden und Verunreinigungen entstehen hier, die andere Tiere nicht verursachen?
  3. Werden die Tiere durch ein regelmäßiges Monitoring erfasst und gezählt?
  4. Ist ein Fütterungsverbot ausgeschildert und wird kontrolliert?
  5. Wurde langfristige Populationskontrolle, wie hormonelle Implantate getestet?
  6. Wurde ein Eier-Tausch-Management wie beim Taubenmanagement getestet und wie sehen die Ergebnisse aus?
  7. Wurde eine gezielte Vergrämung durch Hütehunde getestet? Wenn ja: wie sehen die Ergebnisse aus?
  8. Wurde eine Habitatanpassung in Betracht gezogen? Wenn nein, warum nicht wenn doch mehr Begrünung und höhere Gräser sowohl unseren Klimazielen als auch den Vergrämungsmaßnahmen zugute kommen?
  9. Wie hoch schätzt die Stadt die Kosten für die Stadt bei einer angekündigten Klage von Tierschutzvereinen und anderen wären, sollten die Nilgänse entgegen dem TierSchG getötet werden?

 

 

Begründung:
Nilgänse (Alopochen aegyptiaca) werden von der EU als „invasive Art“ eingestuft (Q1) – die Naturschutzverbünde und Forschung widersprechen dieser Analyse vehement (Q2; Q3). Invasivität definiert eine langfristige negative Auswirkung auf die Biodiversität (Q4), diese kann bei Nilgänsen nicht festgestellt werden.
Eine neue Maßnahme des Landes (Q5) spricht nun auch von „jagdlichen Maßnahmen“ an Nilgänsen, ohne transparent zu machen ob und warum alternative Vergrämungsmaßnahmen bisher nicht ergriffen wurden oder gescheitert sein sollen.
Das Tierschutzgesetz (Q6) verlangt hier das Verhältnismäßigkeitsprinzip anzuwenden und zuerst alle nicht-tödlichen Maßnahmen ausgiebig auszuschöpfen, bevor die Tötung als allerletzte Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen wird.
Peta und andere Tierschutzorganisationen haben anderen Städten bereits Klagen angedroht (Q7), diese könnten zu erheblichem Schaden für die Stadt Stuttgart führen. Bei der aktuellen Finanzlage kann sich die Landeshauptstadt keine teuren Klagen erlauben, nur weil man mit ein wenig Kot nicht klarkommt. Mehr Probleme verursachen die Nilgänse nämlich in den Augen der meisten Menschen und auch der Wissenschaft nicht.
Die beiden Kernprobleme im Nilgänsemanagement sind die Beseitigung von Kot und das erhöhte Territorialverhalten der Eltern gegenüber ihren Kindern und ihrem Nest.
Eine Mutter zu töten, weil sie ihre Kinder vor Angreifern schützt, wäre bei keiner anderen Art eine Option.

Q1: NABU; Die EU-Liste invasiver gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/invasive-arten/unionsliste.html

Q2: Hohmann, R., & Woog, F. (2021). How aggressive are Egyptian Geese Alopochen aegyptiaca? Interactions with Greylag Geese Anser anser and other birds in an urban environment.
https://wildfowl.wwt.org.uk/index.php/wildfowl/article/view/2762

Q3: Naturkundemuseum Stuttgart; Nilgänse – Harmlose Neubürger oder aggressive Invasoren?
https://www.naturkundemuseum-bw.de/forschung/science-blog/nilgaense-harmlose-neubuerger-oder-aggressive-invasoren

Q4: Bundesamt für Naturschutz; Grundwissen über Neobiota
https://www.bfn.de/grundwissen-ueber-neobiota

Q5: Nilgänsemanagement in Stuttgart gestartet (27.11.2025)
https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/wildgaensemanagement-in-stuttgart-gestartet-1

Q6: Bundesamt für Justiz; Tierschutzgesetz (TierSchG)
https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html

Q7: PETA; Zu Unrecht gejagt: Brentanobad in Frankfurt lässt Nilgänse erschießen
https://www.peta.de/neuigkeiten/brentanobad-nilgaense/

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