Kurzsichtige Gebührenspiele

Ja, wir müssen sparen. Doch wenn Stuttgart ausgerechnet bei Kita-, Schulkind- und Ferienbetreuung kürzt oder die Gebühren erhöht, trifft es wieder die Gleichen: Frauen und Kinder. Höhere Beiträge und kürzere Betreuungszeiten drängen Mütter in die Teilzeit oder ganz aus dem Beruf. Ihr Einkommen schrumpft – ihre Unabhängigkeit gleich mit. Wer finanziell abhängig ist, bleibt häufiger in Gewaltbeziehungen. Politische Teilhabe? Ehrenamt? Unmöglich, wenn Betreuung noch teurer wird. Das ist der direkte Weg in die Altersarmut und ein Schlag ins Gesicht all der gut ausgebildeten Fachkräfte, die wir dringend brauchen. Die BonusCard fängt hier längst nicht alle auf: Die größten Verlierer sind Mehrkindfamilien und Schwellenhaushalte, die knapp über jeder Fördergrenze liegen und damit keinerlei Zuschüsse erhalten. Und die Kinder? Wer sich Betreuung nicht leisten kann, bleibt zu Hause – isoliert, ohne Förderung, kein Geld für Ausflüge. Statt pädagogischer Angebote übernimmt der digitale Babysitter. Mediensucht? Man will dagegen vorgehen, schafft aber selbst die perfekten Bedingungen dafür. Wenn Betreuung zum Luxus wird, verlieren Kinder bei Bildung, sozialer Teilhabe und Chancen. „Kein Kind darf verloren gehen“ – wissen Sie noch? Was bleibt davon übrig? Die Folgekosten werden für alle enorm hoch sein. Ja, andere Kommunen sind teurer – doch es gibt längst Orte, in denen frühkindliche Bildung kostenlos ist. Das ist eine Frage der Prioritäten – und der Haltung. Wir brauchen keine Gebührenerhöhungen, sondern Haltung: Betreuung ist Bildung für alle Kinder und muss eigentlich kostenlos sein.

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