Wann kommt die nächste Kostenexplosion bei Stuttgart 21?

Wir fragen und bitten um schriftliche Antworten binnen sechs Wochen:

  • Wann kommuniziert die Bahn AG die nächste Kostenexplosion für das Milliardenprojekt Stuttgart 21?
  • Wie hoch beziffert die Bahn AG die Gesamtkosten für das Projekt Stuttgart 21 (inklusive „Risikopuffer“?)
  • Was sind die ausschlaggebenden Gründe für die siebte Kostenexplosion bei Stuttgart 21?
  • Wie hoch sind die Mehrkosten pro Jahr Bauzeitverzögerung bei Stuttgart 21?

Begründung:

Es begann mit frommen Wünschen in den 1990-er Jahren. Der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU), der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel (CDU) und der damalige Bahnchef Heinz Dürr sagten mit Blick auf die Kosten von Stuttgart 21, der Verkauf der Grundstücke finanziere den Bahnhof (Nachzulesen im Staatsanzeiger vom 2. Dezember 2025). Bereits in der erste Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 1995 erwies sich dies als Lüge: Die Autoren der Studie gingen damals von Kosten in Höhe von 4,8 Milliarden DM aus – der Verkauf der Grundstücke wurde allerding mit lediglich 2 Milliarden DM angegeben. Was folgte, war eine Serie von Kostenexplosionen. Die „Sollbruchstelle“ von 4,526 Milliarden Euro, die zum Zeitpunkt der Volksabstimmung am 27. November 2010 von den Befürwortern (allen voran vom damaligen Bahnchef Rüdiger Grube) lauthals verkündet wurde, wurde im Dezember 2012 als Lüge enttarnt: 6,8 Milliarden Euro sollte das Projekt dann kosten – beendet wurde es, entgegen aller Bekundungen vor der Volksabstimmung allerdings nicht. Im Gegenteil, es wurde alles immer noch teurer: In einem Wechselspiel zwischen Verschiebung des Eröffnungstermins und Kostenexplosionen schaukelten sich die Gesamtkosten auf 8,2 Milliarden Euro im Januar 2018 hoch, es folgte im Januar 2022 die Ankündigung, das Projekt werde nunmehr mit 9,79 Milliarden Euro beziffert. Zuletzt wurden im Dezember 2023 die Gesamtkosten mit 11,99 Milliarden Euro angegeben (inklusive „Risikopuffer“).

Im Juni 2024 wurde der Eröffnungstermin von Dezember 2025 auf Dezember 2026 verschoben. Im Juli 2025 war dann vonseiten der Bahn von einer „Teilinbetriebnahme“ im Dezember 2026 die Rede. Im November 2025 wurde der Eröffnungstermin schließlich auf unbestimmte Zeit verschoben. An den behaupteten Kosten für Stuttgart 21 hat sich in dem Zeitraum allerdings nichts geändert. Da dieses Milliardenprojekt durch längere Bauzeit in der Vergangenheit nicht günstiger, sondern teurer wird, ist es jetzt Zeit, eine neue Kostenschätzung vorzulegen.

Die neue Bahnchefin hat mit Blick auf Stuttgart 21 unlängst angekündigt: „Es ist mir wichtig, dass wir da die Öffentlichkeit und insbesondere auch die Projektpartner in Baden-Württemberg sehr schnell informieren, was Sache ist“, Sie wolle transparent und ehrlich sein. (wie der Staatsanzeiger am 2.12.2025 berichtete. Weiter war zu lesen: „Palla will eine „deutlich stabilere Projektkoordination und auch ein deutlich stabileres Risikomanagement“.

In diesem Sinne erwartet die Öffentlichkeit neben dem Eröffnungstermin auch Transparenz bei den Kosten und verbindliche Ansagen. Wir erwarten schriftliche Antworten binnen sechs Wochen.

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