Es hört einfach nicht auf. Stuttgart reißt sich weiter ab. Jetzt soll das Wittwer-Gebäude am Schlossplatz dran glauben. Das Gebäude ist gerade einmal 60 Jahre alt. Diese mangelnde Wertschätzung gegenüber der bereits gebauten Stadt ist nicht nur ein respektloser Umgang mit der Stadtgeschichte. Jeder Abriss vernichtet eben nicht nur ein Stück gebaute Geschichte und Identität einer Stadt, sondern vernichtet auch Unmengen an Energie und Ressourcen. Was an Material und Energie quasi im Gebauten gespeichert ist, wird beim Abriss geopfert. So ist die Bauwirtschaft mit seinen stetigen Zyklen von Bauen, Abreißen und Neubau für über 50 Prozent des Abfalls und für eine großen Teil des CO2-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich.
Und wofür dieser ganze Wahnsinn? Die Antwort ist immer die gleiche: Die Grundrisse seien angeblich nicht mehr „zeitgemäß“, das Gebäude sei wirtschaftlich nicht mehr zu betreiben und eine Sanierung viel zu aufwändig und teuer. Um es klar zu sagen: Mit einem behutsamen Umbau unserer Stadt lässt sich schlicht nicht so viel Profit machen wie mit einem Abriss und einem Neubau, also muss der alte Kruscht weg und das selbst wenn dann wieder die gleichen Nutzungen einziehen.
Wir sagen: Stuttgart kann das besser. Wenn die privaten Investoren versagen, dann muss die Stadt einspringen und Stadtentwicklung eben selber betreiben. Nutzungen die wirklich der ganzen Breite der Stadtgesellschaft dienen gibt es genug. Stuttgart braucht dringend mehr nicht-kommerzielle und konsumfreie Orte an denen Gemeinwohl, Sorgearbeit und Begegnung statt Kommerz gefeiert werden.




