Die Kulturszene hat es dieser Tage nicht leicht. Wegen des Sparhaushalts müssen fast alle Institutionen Formate und Programme verkleinern. Damit nicht genug. Kunst und Kultur geraten rasch unter Druck, nicht nur in Berlin und Göttingen. Ein vom Württembergischen Kunstverein geplantes Symposium zur Kunstfreiheit wurde in einem offenen Brief mit dem Vorwurf des Antisemitismus belegt, worauf exakt das passierte, worüber bei der Veranstaltung diskutiert werden sollte: Die Stadt strich zugesagte Fördergelder – mit fadenscheiniger fachlicher Begründung, die schlecht bis gar nicht bemänteln konnte, dass sie vor der Deutsch-Israelischen Gesellschaft eingeknickt war. Ein jämmerliches Versagen, das wir entschieden kritisieren. Die
deutsche Staatsräson in Bezug auf Israel rechtfertigt nicht die unkritische Adaption polarisierender Positionen wie die der DIG, die unter anderem fordert, dass sich Deutschland im Irankrieg, der sich immer mehr als Irrsinn von Geisteskranken entpuppt, ungeachtet der Tatsache des amerikanischen Völkerrechtsbruchs einseitig parteiisch auf die Seite der USA und Israels stellen muss. Kritische Fragen und offene Debatten müssen erlaubt sein, auch und gerade, wenn sie von Zeitgenossen kommen, die weder die deutsche Kollektivschuld am Holocaust und deren Unverjährbarkeit bestreiten, noch das Existenzrecht des Staates Israel und seinen Anspruch auf Sicherheit.
Ein Lichtblick: Das Symposium konnte dennoch stattfinden – aufgrund zahlreicher Spender*innen. Dank an sie und an Direktorin und Direktor des Kunstvereins für ihr mutiges Aufgreifen eines Themas, bei dem in der öffentlichen Debatte eine Lücke klafft.




