Seite 1 von 2 Antrag vom 12.03.2026 Nr. Eingang bei L/OB: Datum: Uhrzeit: Eingang bei: 10-2.1 Datum: Uhrzeit: Antrag Stadträtinnen/ Stadträte – Fraktion Die Linke SÖS Plus Betreff Die Sicherheit von Frauen* ernstnehmen – „Safe-Apps“ auf dem Cannstatter Wasen mit der Wasenboje verbinden

Wir beantragen:
1. dass in sogenannten „Safe-Apps“, die auf dem Cannstatter Wasen eingesetzt werden sollen, die Gleichstellungsbeauftragte in die Konzipierung der App miteinbezogen und die Wasenboje als Kontaktmöglichkeit mit aufgenommen wird.
2. eine umfassende Schulung für das Sicherheitspersonal des Cannstatter Wasens für dem Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen*.

Begründung:
Rund 250 Fälle verzeichnete die Wasenboje auf dem Volksfest 2025 von denen rund ein Fünftel als kritische Notsituation einzustufen wurde. Darunter fällt Orientierungslosigkeit, sexuelle Belästigung, Übergriffe, Verdacht auf K.o.-Tropfen sowie rassistische Anfeindungen. Das Projekt wird mehrfach gelobt, und auch von der Fachverwaltung (in ihrer Beschreibung im Teilhaushalt) als das angesehen, was sie ist: „Die Wasenboje ist innerhalb des Sicherheitskonzeptes auf dem Cannstatter Wasen inzwischen fester Bestandteil und deckt Bedarfe ab, die durch die Polizei, DRK und Sicherheitsdienste nicht gedeckt werden können.“ Trotzdem beantragt die CDU eine Prüfung der Wasenboje auf ihre Wirksamkeit, mit der Aussicht, ob bestehende Hilfesysteme und die Etablierung von „Safe-Apps“ als Schutzkonzept für Frauen* nicht ausreichen würden. Sie verschließt dabei offensichtlich und bewusst die Augen vor der Tatsache, dass die Wasenboje kein Zusatzangebot und kein Luxusprojekt zu einem bestehenden gut funktionierenden Sicherheitskonzept ist! Vielmehr schließt sie eine Lücke, die Jahrzehnte lang ignoriert wurde.
Es ist mehr als bekannt, dass sich Frauen* bei Belästigungen und sexuellen Übergriffen eher selten an die Polizei wenden, geschweige denn Anzeige erstatten. Zu groß ist die Angst vor Stigmatisierung, nicht ernstgenommen zu werden und der Konsequenzlosigkeit für die Täter, wie es so oft in Realität vorkommt. Außerdem benötigen Frauen* in so einer Situation häufig zunächst eine psychische und emotionale Betreuung, um das Trauma zu verarbeiten und um daraufhin vielleicht Anzeige zu erstatten. Da besonders der Cannstatter Wasen für eine hohe Anzahl an Übergriffen und sexueller Belästigung bekannt ist, darf hier diese Lücke im Schutzkonzept nicht wieder entstehen. Die Etablierung von „Safer-Apps“, durch die beispielsweise auch die Polizei oder Sicherheitsbeamte gerufen werden können, aber auch der Standort an Vertrauenspersonen übermittelt werden kann, sehen wir als sinnvolle Ergänzung im Schutzkonzept. Sie sind allerdings in keiner Weise einen Ersatz für die Wasenboje, in der geschulte Personen bei diesen sensiblen Themen Hilfe leisten können. Damit das Hilfekonzept auf den Stuttgarter Volks- und Frühlingsfest alles an einem Ort hat, beantragen wir den Einbezug der Gleichstellungsbeauftragten in der Konzipierung der App sowie die Aufnahme der Wasenboje in die geplanten „Sicherheits-Apps“. Außerdem muss das Sicherheitspersonal umfassend im Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen* geschult werden.

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