Höhere Gebühren und weniger Betreuungszeit – Stuttgart versagt in der Kinderbetreuung: Die Verwaltungsspitze muss jetzt handeln!

Sechs Tage hatten die Eltern der Kinder in der Vellmenkrippe in Stuttgart-Süd Zeit, sich auf eine kurzfristige Reduzierung der Betreuungszeiten von 16 Uhr auf 14 Uhr einzustellen – und das bei weiterhin vollen Betreuungskosten. Aufgrund des massiven Personalmangels sah sich die Einrichtung zu diesem Schritt gezwungen, um kurzfristige, vereinzelte Schließungen zu vermeiden.

„Dieser aktuelle Fall steht stellvertretend für ein strukturelles Problem in der Kinderbetreuung in Stuttgart“, erklärt Manja Reinholdt (Die Linke). „Der Fachkräftemangel führt zu einer steigenden Arbeitsbelastung für die Beschäftigten. Krankheitsfälle können vom Team nur noch unter großer Anstrengung oder kaum mehr aufgefangen werden, während sich die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtern – nicht zuletzt durch die drastische Kürzung der Stuttgart-Zulage.“ Die Folgen dieser Unterfinanzierung seien in der gesamten Gesellschaft spürbar, so Reinholdt weiter: „Eltern haben trotz ihres Rechtsanspruchs keine verlässliche Garantie auf einen Betreuungsplatz nach Ende der Elternzeit. Kurzfristige Änderungen der Öffnungs- und Schließzeiten belasten Familien erheblich, da nicht alle Eltern die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten oder spontan ihre Arbeitszeit zu reduzieren.“ Wenn Eltern ihrer Erwerbsarbeit kurzfristig nicht mehr voll nachgehen könnten, wirke sich dies auch auf andere gesellschaftliche Bereiche aus – etwa dort, wo Eltern selbst in systemrelevanten Berufen wie der Pflege tätig seien.

„Mit der Kürzung der Stuttgart-Zulage und der gleichzeitigen Erhöhung der Kita-Gebühren verschärft der Doppelhaushalt des Haushaltsbündnisses aus CDU und Grünen die ohnehin dramatische Lage in der Kinderbetreuung weiter“, ergänzt Johanna Tiarks (Die Linke), Fraktionsvorsitzende. „Mehr bezahlen und weniger erhalten ist alles andere als ein Schritt hin zu einer verlässlichen Kinderbetreuung.“
Aus Sicht der Fraktion Linkes SÖS Plus fehlt es bislang an entschlossenem Handeln der Verwaltungsspitze. „Wir sehen nicht, dass derzeit alles unternommen wird, um diese Abwärtsspirale zu stoppen“, kritisiert Reinholdt. „Das Mindeste ist eine Anpassung der Gebühren bei verkürzten Betreuungszeiten. Dafür brauchen die Träger aber auch dringend die entsprechende finanzielle Unterstützung. Zudem muss die geplante Erhöhung der Betreuungskosten zurückgenommen werden. Vor allem aber braucht es deutlich intensivere Maßnahmen, um Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft im System zu halten. Das wiederum erfordert echten politischen Willen der Fraktionen im Gemeinderat für die entsprechende Finanzierung.“

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