Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass die Stadt Stuttgart gemeinsam mit dem Regierungspräsidium an einem Gänse-Managementkonzept arbeitet, das laut Medienberichten auch das gezielte Töten von Nilgänsen nach der Brutzeit einschließen könnte – möglicherweise auch von Jungtieren. Anerkannte Tierschutzverbände haben uns als Stadt bereits aufgefordert tierschutzgerecht zu handeln und wissenschaftliche, rechtliche und ethische Aspekte in unseren Entscheidungen vor Ideologische Kämpfe zu stellen.
Die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) ist zwar als invasive Art nach EU-Verordnung 1143/2014 gelistet, die dort formulierten Managementmaßnahmen setzen jedoch voraus, dass ein erheblicher negativer Einfluss auf Biodiversität, Gesundheit oder Infrastruktur nachgewiesen wird. Außerdem wird vorausgesetzt, dass vorrangig nicht-tödliche Maßnahmen ausgeschöpft wurden. Nach unserem Kenntnisstand liegen für die Stadt Stuttgart weder standardisierte Monitoringdaten über solche Schäden vor, noch sind Evaluierungen alternativer, tierschutzkonformer Interventionsstrategien dokumentiert.
Zahlreiche Fachquellen – darunter Stellungnahmen des NABU, Studien von Ornithologen wie Dr. Friederike Woog (SMNS Stuttgart), sowie Langzeitbeobachtungen städtischer Wildtierpopulationen – bestätigen, dass die Nilgans in deutschen Städten bislang keine signifikanten Schäden an heimischen Arten oder Ökosystemen verursacht hat. Territorialverhalten während der Brutzeit und Kotvorkommen im Uferbereich rechtfertigen nach gängiger Rechtsauslegung keinen präventiven Abschuss.
Daher fordern wir den Gänse-Managementprozess bis zur Vorlage belastbarer Daten und der Prüfung von tierschutzkonformen Alternativen (z.B. Gelegemanagement, Besucherlenkung, Habitatlenkung) unter ein Moratorium zu stellen. Geltende tierschutz- und naturschutzrechtliche Vorgaben müssen vollständig eingehalten werden, insbesondere im Hinblick auf das Verbot der Tötung und der Leidzufügung ohne zwingenden Grund (§ 1 Tierschutzgesetz, Art. 19 EU-VO 1143/2014)
Zu den konkreten Vorschlägen:
Eier-Management –
Gelege werden fachgerecht geölt oder gegen Attrappen ausgetauscht. Die Altvögel brüten weiter, aber es schlüpfen keine Küken – der Bestand sinkt ohne jeden Schuss.
Gezielte Vergrämung –
Professionelle Hütehunde (z.B. Border Collies) oder Falkner‐Teams vertreiben Gänse aus sensiblen Flächen, ohne sie zu verletzen. Licht- und Lasergeräte wirken bei Schlafplätzen in der Dämmerung.
Habitat-Anpassung –
Schilfgürtel, höhere Uferbepflanzung oder länger belassene Rasenflächen machen Parks für Gänse unattraktiv. Studien belegen deutliche Bestandsrückgänge, sobald Sichtachsen Wasser – Gras unterbrochen sind.
Konsequentes Fütterungsverbot –
Klare Beschilderung, Aufklärungskampagnen und stichprobenartige Kontrollen reduzieren das künstliche Nahrungsangebot – der wichtigste Faktor für hohe Gänsedichten.
Langfristige Populationskontrolle –
In kleinen Teilpopulationen können hormonelle Implantate (tierärztlich) die Fortpflanzung über mehrere Jahre verhindern. Umsiedlungen in geeignete Schutzgebiete sind eine zusätzliche Option.
Wissenschaftliches Monitoring –
Regelmäßige Zählungen, Kot-Kartierungen und Störungsprotokolle zeigen objektiv, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht und wie erfolgreich die gewählten Alternativen sind.
Quellen:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/gaense/25852.html